<Gesamterneuerung Gebäudeensemble Wallstrasse, Basel, 2018–2025

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Weiterbauen am Bollwerk

Zwischen Elisabethenanlage, Hauptbahnhof und Basler Altstadt liegt das Gebäudeensemble an einer Schnittstelle unterschiedlicher Stadträume und Bewegungen. Die beiden ehemaligen Verwaltungsbauten der Kreistelefondirektion Basel prägen das Grundstück zwischen Wallstrasse und Bollwerkpromenade in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof Basel SBB seit Jahrzehnten mit selbstverständlicher Präsenz. Die zentrale Lage und die direkte Anbindung an den öffentlichen Verkehr schaffen besondere Voraussetzungen für urbanes Wohnen.

Die Transformation des von Arnold Gfeller und seinem Büro in den 1960er- und 1970er-Jahren entworfenen Ensembles steht exemplarisch für den grundlegenden Wandel unserer Baukultur. Aus den funktionalistischen Verwaltungsbauten entsteht neuer Wohnraum. Ausgangspunkt des Entwurfs ist nicht die Ablösung des Vorgefundenen durch eine neue architektonische Ordnung, sondern die Frage, welche räumlichen, konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten bereits im Bestand angelegt sind.

Das Projekt folgt damit dem Prinzip, vorhandene Land- und Bauressourcen möglichst umfassend weiterzuverwenden. Die auf einem Bebauungsplan von 1950 beruhende Volumetrie ermöglicht eine hohe Nutzungsdichte auf bereits bebautem Boden. Das bestehende Tragwerk, die Erschliessungen und weite Teile des Innenausbaus der Untergeschosse bleiben erhalten und werden in das transformierte Ensemble einbezogen. Auch die umfangreichen technischen Infrastrukturen in den Unter- und Sockelgeschossen bleiben in Betrieb. Die neue Wohnnutzung konzentriert sich auf die oberirdischen Geschosse und entwickelt das Ensemble innerhalb seiner bestehenden städtebaulichen Ordnung weiter.

Die klare konstruktive Struktur bietet dafür eine robuste und anpassungsfähige Grundlage. Das weitgehend erhaltene Betonskelett, Geschosshöhen von rund drei Metern, tiefe Grundrisse und eng gesetzte Fassadenstützen ermöglichen eine neue räumliche Organisation, ohne tief in die Substanz des Gebäudes eingreifen zu müssen. Die konsequente Weiterverwendung des Tragwerks reduziert den materiellen Eingriff und bewahrt zugleich die charakteristische Ordnung der bestehenden Architektur.

Die Wohnung als Loggia

Aus den ehemaligen Büroflächen entstehen 105 kompakte Wohnungen unterschiedlicher Grösse. Gezielte Verschiebungen zwischen dem Raster der Tragstruktur, der Raumaufteilung und der neuen Fassade ermöglichen differenzierte Grundrisse. Gleichzeitig spielen sie die schlanken, sechseckigen Fassadenstützen frei und machen diese zu prägenden Elementen der Innenräume.

Grossflächig zu öffnende Fenster und niedrige Brüstungen führen die Wohnräume bis unmittelbar an die Gebäudehülle. Der tiefe Horizont der Brüstung verstärkt die vertikale Wirkung der Stützen und öffnet den Blick über die Stadt. In den grösseren Wohnungen verbinden Schiebetüren die Räume entlang der Fassade. Innenraum, Ausblick und Gebäudehülle treten dadurch in eine enge räumliche Beziehung: Die Wohnung selbst nähert sich einer Loggia an.

Die kompakten, zumeist einseitig orientierten Wohnungen werden durch gemeinschaftlich nutzbare Räume ergänzt. Waschsalons mit kleinen Aufenthaltsbereichen, ein Gemeinschaftsraum mit Zugang zum begrünten Hof, Gartenhöfe und eine gemeinsame Dachterrasse schaffen Orte der Begegnung. Sie erweitern das private Wohnen um ein kollektives Angebot und nutzen die besondere Aussicht und Lage des Ensembles.

Die Fassade als Kraftwerk

Auch der architektonische Ausdruck entwickelt sich aus dem Bestand. Die horizontalen Fassadenbänder und die geschlossenen Erschliessungskörper bleiben als prägende Elemente des Ensembles erhalten. Die regelmässige Ordnung der ehemaligen Verwaltungsbauten wird jedoch neu rhythmisiert. Unterschiedliche Teilungen von Fenstern und Brüstungen, vertieft angeordnete Öffnungsflügel sowie Stoffmarkisen überlagern das konstruktive Grundraster mit einer vielschichtigen, polyrhythmischen Komposition.

Die neue Fassade lässt die veränderte Nutzung erkennen, ohne die Herkunft der Gebäude zu verleugnen. Sie übersetzt die abstrakte Ordnung der Verwaltungsarchitektur in eine feinere, auf das Wohnen bezogene Massstäblichkeit. Das Ensemble bleibt als transformierter Bürobau lesbar und gewinnt gerade daraus seine Eigenständigkeit.

Die Architektursprache der Nachkriegsmoderne bietet zugleich ideale Voraussetzungen für die Integration von Photovoltaik in die Gebäudehülle. Die Solarmodule sind nicht als zusätzliche technische Schicht aufgesetzt, sondern Teil der architektonischen Komposition. In die Brüstungsbänder und die geschlossenen Fronten der Erschliessungskerne integriert, reagieren ihre strukturierten Oberflächen auf wechselndes Licht und unterschiedliche Witterungsverhältnisse. Die neue Fassade verbessert nicht nur die energetische Leistung der Gebäudehülle, sondern produziert zugleich Strom.

Umbau, Umnutzung, die Schaffung neuen Wohnraums und die Hinwendung zu erneuerbaren Energien prägen den Entwurf. Sie schränken die gestalterischen Möglichkeiten nicht ein. Vielmehr bilden die konsequente Weiterverwendung der baulichen Substanz und ihre Transformation die Grundlage für die besonderen räumlichen und architektonischen Qualitäten des Projekts. Das Ensemble zeigt, wie sich bestehende Architektur durch präzise Eingriffe dauerhaft weiterentwickeln und für veränderte gesellschaftliche und ökologische Anforderungen nutzbar machen lässt.

Datum: 2018-2025
Ort: Wallstrasse 22 / Bollwerkpromenade 5, 4051 Basel, Schweiz
Eigentümerin: AXA Anlagestiftung, Zürich
Auftraggeberin: AXA Investment Managers Schweiz AG, Zürich
Bestandsbauten: Arnold Gfeller, 1967, Architekturbureau Gfeller, 197
Programm: Wohnen, Gewerbe, Telekommunikationsinfrastruktur, Lager, Auto- und Veloparking, gemeinschaftliche Innen- und Aussenräum
Wohnungen: 105 Wohnungen mit 1.5, 2.5 und 3.5 Zimmern
Geschossfläche, total: 25’304 m²
Oberirdisch transformierte Geschossfläche: 8’009 m² - rund 32 % der gesamten Geschossfläche
Gebäudevolumen, total: 98’465 m³
Oberirdisch transformiertes Gebäudevolumen: 25’285 m³ - rund 26 % des gesamten Gebäudevolumens
Photovoltaikfläche: 2’254 m² insgesamt, davon 2’165 m² an der Fassade und 89 m² auf dem Dach
Photovoltaikleistung: 333 kWp insgesamt, davon 313,5 kWp an der Fassade und 19,5 kWp auf dem Dach

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