Die Via Giulia wurde in der Renaissance als ordnender Schnitt durch die mittelalterliche Stadt gelegt. Abrisse zur Umsetzung eines Boulevards zwischen der Ponte Mazzini mit Corso Vittorio Emanuele unter Mussolini in den 1930er Jahren führten zur Verletzung der Geschlossenheit der Strasse. Nach dem Scheitern des faschistischen Grossprojekts blieb auf der Höhe der Piazza della Moretta siebzig Jahe eine Brache zurück.
Heute wünscht man sich architektonisch das räumliche Profil aus der Renaissance zurück.Als auf dem Brachland ein unterirdisches Quartier-Parking entsteht, förderten Grabungen inzwischen römische Stallungen zutage. Der archäologische Bestand, der dokumentiert wurde, wurde wieder mit schützender Erde bedeckt werden. Nur im triangulären Abschnitt ohne Fundstücke kann gebaut werden.
Statt eines Wiederaufbaus der Häuser verfolgen Diener & Diener im Wettbewerbsbeitrag (2010) für die Wiederherstellung des Strassenprofils die Idee eines Gartens. Denn weder Neubauten in traditionellen Formen noch in moderner Gestalt können die alte Geschlossenheit der Via Giulia bewirken. Sie würden die Spuren der städtebaulichen Geschichte der Strasse auswischen. Der Garten hingegen bringt die historische Kontinuität zur Geltung: Wenn die faschistische Planung die Renaissance-Stadt überlagerte, legt sich von nun an der Garten über diese Planung. Eine hohe Mauer umfasst den Garten. An einer Stelle öffnet sich die Mauer zur Via Giulia. Die Mauer sichert die Erfahrung eines neugefassten Strassenraums, ohne die Verletzung der 1930er Jahre an dieser Stelle vergessen zu machen.
Wettbewerb: 1. Preis, 2010
Datum: 2010—
Auftraggeber: C.A.M. srl
Ort: Via Giulia, Rom, Italien
Bruttogeschossfläche (BGF): 6.500 m²
Programm: Öffentlicher Garten, Café
Zusammenarbeit / Architekt vor Ort: Garofalo Miura Architetti
Landschaftsarchitekt: Vogt Landschaftsarchitekten