klybeckplus – ein Kaleidoskop in Raum und Zeit
«klybeckplus» ist die Projektbezeichnung für die prozesshafte soziale und städtebauliche Umwandlung des bis heute weitgehend abgeschlossenen Industrie- und Gewerbestandorts in einen geöffneten und integrierten Bestandteil des Quartiers Klybeck. Mit der städtebaulichen Umwandlung wächst die räumliche Struktur des Areals mit dem Klybeck zu einem grossen Ganzen zusammen. Es entsteht eine Verbindung zwischen dem industriellen, während Jahrzehnten verborgenen Areal und den umgebenden Gebieten.
Dieser Prozess der Umwandlung begrenzt sich nicht auf die Ausdehnung der Wohn- und Arbeitsflächen des bestehenden Klybeckquartiers auf das Gebiet des Areals. Ebenso weist der identitätsbildende Effekt der Umwandlung von innen über die Grenzen des Areals hinaus und bereichert das Quartier. Das Städtebauliche Leitbild von 2022 und das darauf aufbauende Richtprojekt von 2025 spiegeln das Programm für den vielfältigen Gebrauch der Arealteile der unterschiedlichen Trägerschaften – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich das heutige Klybeck-Areal zu einem lebendigen Quartier entwickeln kann.
Mit der Umnutzung der bestehenden Industriebauten und den neuen, noch zu projektierenden Bauten, den Freiräumen und dem Konzept der künftigen Mobilität entsteht ein Fächer unterschiedlichster Nachbarschaften und damit ein neues stadträumliches Ganzes. Im Zusammenspiel des Areals mit dem Quartier Klybeck und den weiteren Entwicklungen am Hafen sowie am Klybeckquai und Westquai entwickelt der Norden Basels eine erweiterte, unverwechselbare Gestalt, die in die Zukunft weist, wiewohl sie auf der Vergangenheit aufbaut und den Bestand achtet.
Der neue Klybeckplatz liegt dort, wo heute noch nichts weiter als eine ausgeweitete Strassenkreuzung eines Aussenquartiers zu erkennen ist. Durch die Verlängerung der Kleinhüningerstrasse bis an den Rhein, den erweiterten Abschnitt der Mauerstrasse nach Westen und die neue Klybeckpromenade öffnen sich Blickachsen zum Rhein und zur Wiese. Verkehrstechnisch wird der Klybeckplatz ein bedeutender Umsteigeplatz zwischen Fuss- und Veloverkehr und dem Tramnetz. Langfristig kann eine Haltestelle der geplanten unterirdischen S-Bahn seine Bedeutung als Verkehrsdrehscheibe weiter stärken.
Die dynamische Bündelung der Verkehrsflüsse aus unterschiedlichen Richtungen wird von besonders prägnanten Bauten markiert. Wie nirgendwo sonst in Basel stehen den markanten Zeugen der industriellen Geschichte attraktive neue Wohntürme gegenüber. Der Kranz der revitalisierten Bauten der Industrie und die neuen Türme des Platzes lassen eine neue symbolische Mitte für Basels Norden entstehen.
Die Strassenräume laufen, in Analogie zum grossstädtischen ‹Place de l’Etoile›, sternförmig zusammen. Die Blickachsen eröffnen jedoch, im Unterschied zum Pariser Vorbild, keine gleichartigen, sondern sehr unterschiedliche Perspektiven eines changierenden Stadtbilds. Der Klybeckplatz vereint die Gegensätzlichkeiten der von Landschaft, Industrieproduktion und Umnutzung gezeichneten Sichtachsen und Objekte in einem Raum. Wenn man den Platz aus der Ferne betrachtet oder wenn man ihn überquert, entstehen immer neue Eindrücke des räumlichen Gefüges zwischen den Fassaden der Gebäude mit Denkmalcharakter, den etwas zurückgesetzten Hochhäusern und kräftigen, unterschiedlich geformten Baumgruppen.
Auf unterschiedliche Art und Weise interpretieren der Platz und neue Nachbarschaften die zugrunde liegende Struktur des ehemaligen Industrieareals.
Unmittelbar südlich des Klybeckplatzes greift die mit Bestandesbauten gemischte Neubebauung die heterogene räumliche Konfiguration des ursprünglich industriell genutzten Areals auf. Die Esplanade, die neue Nachbarschaft zwischen der Rheinpromenade und der Klybeckstrasse, besteht aus umgenutzten Bauten der pharmazeutischen Industrie und neuen Wohnhochhäusern. Die Bestandsbauten sind für den Ort ganz wichtige identitätsstiftende Objets trouvés, an denen die Vergangenheit des Areals auch in Zukunft noch ablesbar sein wird.
Der schutzwürdige Inventarbau, das ehemalige CIBA-, dann Novartis-Hochhaus (WKL-125) an der Dreirosenbrücke, bleibt das höchste Gebäude der Esplanade. Allesamt schlank, sind die Wohnhochhäuser so locker angeordnet, dass sich über die ganze Esplanade zusammen mit den öffentlichen Erdgeschossen der Gebäude und mit Bäumen ein einziger grosser und durchlässiger Freiraum erstreckt. Es entsteht ein zusammenhängendes riesiges Dach aus Bäumen, aus dem bestehende und neue Gebäude herausragen. Die Wohnformen in den neuen Wohnhochhäusern sind vielfältig, ihre Gestalt unterschiedlich. Eine Ebene von Zusammengehörigkeit könnte beispielsweise ein gemeinsamer Farbkanon erzielen, der vom Verwaltungsgebäude der damaligen CIBA von Fritz Stehlin (K-141, ab 1906) abgeleitet werden könnte.
Der nicht motorisierte Verkehr hat Priorität – die Strassen werden zum öffentlichen Wohnzimmer. Die entstehende Lebensqualität ist am ehesten mit derjenigen einer «Superilla» oder einem begrünten Block in Barcelona zu vergleichen. Solche verkehrsberuhigten städtischen Quartiere mit hohem Wohnanteil werden sowohl von Anwohnerinnen und Anwohnern als auch von Gewerbetreibenden sehr geschätzt.
Mit der Rheinterrasse und der Klybeckmatte werden zwei grosse neue Freiräume geschaffen. Die Rheinterrasse ist der erste öffentliche Kleinbasler Park am Wasser. Bei der Klybeckmatte bauen offene Hofstrukturen eine Analogie zum bestehenden Klybeckquartier auf, indem sie den örtlichen, für das Kleinbasel typischen, geschlossenen Blockrand fortführen und variieren. Die Klybeckmatte bildet zunächst wie die Claramatte und der Horburgpark einen Binnenraum im Gewebe der Blockrandbebauung und wird in einer zweiten Phase bis zum Ufer der Wiese erweitert. An der Westseite berührt die Klybeckmatte die Aktienmühle, deren öffentliche Ausrichtung durch die Position zwischen Gärtnerstrasse und Klybeckmatte gestärkt wird. Am südlichsten Kopf der Klybeckmatte liegt ein Schulstandort. Er befindet sich unmittelbar hinter der ehemaligen Personalkantine (WKL-610) und ist über die Stationen des öffentlichen Verkehrs am Klybeckplatz ideal zu erreichen.
Die Nachbarschaft Klybeckhöfe mit innenliegenden privaten Gärten und Gemeinschaftsflächen besitzt mit dem Bau K-90 einen der markantesten inventarisierten Altbauten am Klybeckplatz. Der Bestandsbau wird zu einem Mobilitätshub transformiert und durch eine Aufstockung mit Wohnungen ergänzt. Damit wird er zu einem städtebaulichen Ankerpunkt für das ganze Klybeck. Wie in der angrenzenden Klybeckquai Südspitze und in der Esplanade lässt die Bebauung der Klybeckhöfe die Flussnähe erlebbar werden. Zum Rhein hin akzentuieren Hochpunkte die neue Rheinterrasse.
Im Bereich Mauerstrasse wird der industrielle Charakter des Areals mit grossmassstäblichen Ziegelbauten und einer inneren Werkgasse weitergeführt. Ein neuer kantonaler Sportstandort ergänzt die Nachbarschaft um eine bedeutende öffentliche Nutzung und profitiert von der hervorragenden Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Entlang der gestaffelten Neubauten entsteht mit der Klybeckpromenade eine Verbindung, die durch kleine Stadtgärten einseitig verbreitert ist und die Grenze der Nachbarschaft gegenüber der Klybeckmatte im Norden definiert. Sie führt zum Wieseufer und zum Biotop der Gleisharfe.
Die fünf Nachbarschaften Esplanade, Klybeckhöfe, Klybeckmatte, Klybeckplatz Süd und Mauerstrasse Nord beruhen auf starken Kontrasten und werden gleichzeitig über den neu gestalteten Klybeckplatz miteinander verwoben und erschlossen.
Planungsprozess: Testplanung 2016-2017, Synthesebericht 2018, Vision klybeckplus 2019, Städtebauliches Leitbild 2020–2022, Richtprojekt 2023–2025
Auftraggeber: Kanton Basel-Stadt, Rhystadt AG, Swiss Life AG
Ort: Klybeck, Basel, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 850 000 m2, Swisslife BGF 360 000 m2, Rhystadt BGF 475 000 m2, Kanton Basel-Stadt BGF 15 000 m2
Programm: Wohnen, Gewerbe, Bildung, Quartierdienliche Nutzung, Mobilität, öffentlicher Freiraum
Projektverfasser Städtebaulicher Entwurf: Diener & Diener Architekten, Vogt Landschaftsarchitekten, Heller Enterprises, Gruner
Planungsteam Richtprojekt: Diener & Diener Architekten (Städtebau und Architektur), Vogt Landschaftsarchitekten (Landschaftsarchitektur), Basler & Hofmann (Mobilität), Rapp (Koordination)