Das neue Jüdische Museum der Schweiz in Basel transformiert einen denkmalgeschützten Tabakspeicher von 1852 zu einem zeitgenössischen Museumsort, in dem Architektur, Geschichte und Kunst zu einem Gesamtwerk verbunden werden. Bestehende Holzstrukturen wurden aktiviert, energetisch verbessert und materialgerecht weitergebaut, während neue Eingriffe auf das Wesentliche reduziert blieben. Ost- und Westfassade orientieren sich weiterhin an der historischen Lochfassade, neue Öffnungen wurden weitgehend vermieden.
Die Organisation des Museums folgt einem klaren und flexiblen Raumkonzept. Rund 750 m² wurden kompakt in Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, Arbeitsbereiche sowie technische Infrastruktur gegliedert. Der mehrgeschossige Ausstellungsraum mit der geschwungenen offenen Holztreppe bildet das Herz des Museums. Zusammen mit dem Aufzug ermöglicht die Erschliessung eine barrierefreie Nutzung und spricht unterschiedliche Besuchergruppen gleichberechtigt an.
Der Kontext der Vesalgasse, des Hinterhofs und der Nähe zur frühen jüdischen Geschichte Basels wird nicht überformt, sondern präzise weitergeschrieben. Die frühere Anlieferungszone des Tabaklagers wurde zu einem Museumsplatz transformiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Holzrelief Jeziory von Frank Stella an der Westfassade. Das Kunstwerk thematisiert die Kultur der Holzbauweise im Zusammenhang mit dem Bestand sowie den zerstörten Synagogen und erweitert die Architektur um eine zusätzliche Bedeutungsschicht. Die Fassade tritt dadurch aus einem stummen in einen sprechenden Kontext und schafft einen Resonanzraum zwischen Wahrnehmung, Erinnerung und Stadt.
Das Museum vermittelt historische Schichten über Materialität, Massstab, Licht und Kunst. Architektur wird dabei als erfahrbarer Träger von Bedeutung verstanden, der Geschichte bewahrt und zugleich einen offenen, zeitgenössischen Ort für jüdische Kultur in der Stadt Basel schafft.
Datum: 2022-2025
Ort: Vesalgasse 5, 4051 Basel
Auftraggeber: Verein für das Jüdische Museum der Schweiz
Programm: Ausstellungsräume, Büroräume der Museumsverwaltung
Bruttogeschossfläche: 890 m²
Kunst am Bau: Frank Stella
Kurrator Kunst und Bau: Adam Szymczyk
Szenographie: Studio Streberle GmbH
Bauingenieurwesen: Conzett Bronzini Partner AG
Baumanagement: Baupro Grunder AG
HLKS-Planung: Waldhauser + Hermann AG
Sanitär: Urs Schaub AG
Elektroplanung: Pro Engineering AG
Bauphysik: We consulting GmbH
Brandschutz: KSI Smart Brandschutz KIG
Lichtgestaltung über Szenographie: mati AG